Klimaschutz? Klimaschule!
Klimaschutz? Klimaschule!
Ein Wal aus Müll schwebt von der Decke, daneben steht ein verdrahtetes Fahrrad, mit dem sich ein Smoothie aus eigener Muskelkraft erstrampeln lässt. Auf Tabletts wird Fair-Trade-Schokolade zur Verkostung gereicht. Der Auftakt zum Projekttag „Klimaschule“ setzt bewusst auf starke Bilder und sinnliche Erfahrungen – und auf bleibende Eindrücke rund um Nachhaltigkeit, Biodiversität und Umweltschutz.
Zwölf ehrenamtliche Ausstellende waren am Abend des 24. Februar 2026 ins Schulhaus gekommen, darunter der LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz, die AOK Bayern sowie die Initiative Stadtradeln des Landratsamts. Sie informierten Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 10, Eltern, Lehrkräfte und weitere Interessierte über konkrete Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden: vom Bau geeigneter Insektenhotels über ehrenamtliche Tierbeobachtungen bis hin zum bewussten Konsum fair gehandelter Produkte oder dem Umstieg auf klimafreundliche Verkehrsmittel. Die Landfrauen präsentierten ihr „Genusskisterl“ mit Rezepten gegen Lebensmittelverschwendung – Kostproben inklusive.
Globale Einblicke – lokale Verantwortung
Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Prof. Dr. Josef Settele. Der Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum in Halle an der Saale, einst als „Sepp aus Marktoberdorf mit seiner Schmetterlingssammlung“ als Mitschüler der Schulleiterin bekannt, ist heute internationaler Experte für Agrarwissenschaften und Ökologie. In seinem Vortrag „Schutz von Biodiversität und Klima – von globalen Einsichten zum lokalen Handeln“ spannte er den Bogen von weltweiten Verhandlungen bis hin zur kommunalen Ebene. Mit auf dem Podium: Bürgermeister Roland Eichmann sowie Ministerialrat Philipp Pacius vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.
Settele, Autor des Bestsellers Keine Zeit für Pessimismus, berichtete aus seiner Arbeit als Sachverständiger für die Bundesrepublik Deutschland und in internationalen Staatengruppen. Seine Motivation sei klar: „Die beteiligten Staaten können nicht mehr behaupten, sie hätten von der brenzligen Lage nichts gewusst.“ Sein besonderes Augenmerk gilt der Biodiversität. Der Mensch, so Settele, sei in seiner Existenz fundamental auf Artenvielfalt angewiesen.
Eindrückliche Bilder verdeutlichten die Dimension: Von weltweit rund acht Millionen Arten sterben täglich etwa 150 – überwiegend durch menschliche Einflüsse. Das Artensterben gefährdet langfristig auch die Lebensmittelversorgung. „Wir haben ein Zeitproblem und müssen uns trotzdem Zeit lassen“, fasste Settele die komplexe Lage zusammen. Nachhaltige Lösungen entstünden nur durch Zusammenarbeit und Kompromisse mit den Akteuren vor Ort.
Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe
Im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Oberstudienrat Florian Riedl, wurde deutlich, wie anspruchsvoll es ist, globale Ziele auf kommunaler Ebene umzusetzen. Bürgermeister Eichmann, selbst seit Jugendtagen im Vogelschutz aktiv, sprach von langwierigen Abstimmungsprozessen und notwendiger Überzeugungsarbeit. Verhaltensänderungen seien schwierig und bräuchten mitunter schmerzhafte Erfahrungen. Am Ende jedoch machten viele kleine Projekte – etwa Heckenpflanzungen oder Moorschutz – den entscheidenden Unterschied.
Auch Schulen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Ideen müssen entwickelt, abgestimmt und in bestehende Prozesse wie die Digitalisierung integriert werden. Ministerialrat Pacius betonte die Chancen: Klimaschutz könne im Unterricht theoretisch fundiert, praktisch erlebt und schließlich als Vorbildwirkung in die Region getragen werden. Schülerinnen und Schüler erfahren so Selbstwirksamkeit – ein zentraler Baustein nachhaltiger Bildung.
Ein langfristiger Weg
Wie der schulische Beitrag konkret aussehen wird, beschäftigt das SGF in den kommenden Monaten und Jahren. Geplant sind themenbezogene Seminare, Beiträge in den Wissenschaftswochen, Initiativen der Schulentwicklungsgruppe sowie zahlreiche Impulse im regulären Unterricht. Koordiniert wird das Projekt „Klimaschule“ von Oberstudienrat Peter Spießl gemeinsam mit Studiendirektorin Stefanie Hammerl und Studiendirektorin Birgit Bobinger.
Der Entschluss zur Teilnahme fiel bereits am 17. Juni 2024 nach Gremienbefragungen und knüpft an eine bestehende Tradition an. Schon 2021/22 organisierte die Schule ein Themenjahr mit 62 Projekten und darf sich seither offiziell „Umweltschule“ nennen, wie Schulleiterin Ute Multrus betonte.
Auch infrastrukturell geht die Entwicklung weiter: Mit Unterstützung des Landkreises Aichach-Friedberg wird das Schulhaus inzwischen nachhaltiger mit Holzpellets beheizt. Für dieses Frühjahr ist zudem eine 300 Quadratmeter große Photovoltaikanlage auf dem Neubau geplant. In den Klassenzimmern achten Energiemanager auf korrektes Lüften, das Ausschalten von Geräten und konsequente Mülltrennung.
Doch das Engagement geht weit über symbolische Maßnahmen hinaus. Arbeitskreise wie „Eine Welt“, Projekte zu nachhaltigem Kochen, Vogelfutter-Aktionen, die Herstellung von Naturseifen oder regelmäßige Müllsammelaktionen prägen das Schulleben seit Jahren.
Den praktischen Höhepunkt bildet schließlich der Projekttag am 25. Februar 2026: In 57 Workshops sammeln alle Schülerinnen und Schüler konkrete Erfahrungen rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit – getragen von engagierten Lehrkräften und zahlreichen externen Partnern.
Klimaschutz? An dieser Schule ist er längst mehr als ein Schlagwort. Er ist gelebter Alltag.
Jessica Beurer












